Die Entwicklung der überbauten Fläche in Wallisellen 

Wer sich erinnern kann, weiss, wie stark sich z.B. das mittlere Glatttal in den letzten Jahrzehnten verändert hat und wie viel Natur bereits verschwunden ist. In der Schweiz hat sich die überbaute Fläche seit dem 2. Weltkrieg verdoppelt. Das heisst, in den letzten 50 Jahren wurde von ein- bis zwei Generationen gleich viel gebaut, wie in der ganzen Zeit davor. Wir wollen aufzeigen, wie sich diese Entwicklung in Wallisellen präsentiert und haben die im Internet zur Verfügung stehenden Daten des Statistischen Amtes und das Buch 'Verzelle vo Walliselle' konsultiert. Von 1950 bis 2000 hat sich die Bevölkerung in Wallisellen von 5 200 auf 11 700 gut verdoppelt. Während in den 60er Jahren noch von einer oberen Grenze beim Vollausbau von 25'000 bis 30'000 Einwohnern ausgegangen wurde, rechnet man in der Verwaltung heute mit maximal 15'000 Einwohnern. Nebst der Bevölkerungsentwicklung müssen bei unserer Betrachtung aber auch die gesellschaftlichen Veränderungen berücksichtigt werden. Haben sich doch zum Beispiel die hauptberuflichen Bauernbetriebe in der Gemeinde von 18 auf 4 reduziert. Bekanntlich hat auch die Wohnfläche pro Person deutlich zugenommen im Gegensatz dazu sind fast alle flächenintensiven Industriebetriebe vom Walliseller Boden verschwunden. Wallisellen hat heute übrigens etwa gleichviele Arbeitsplätze wie Einwohner. Von den 12'000 Einwohnern sind etwa 6'500 berufstätig.

Jahrzehnte der Bauwut
Betrachtet man Wallisellen auf einer Flugaufnahme von 1954, erkennt man leicht die überbaute autonome Gemeindefläche mit einem Grüngürtel auf allen Seiten. Im Süden gab es noch kein Glattzentrum und keine Autobahn, im Osten begann das Landwirtschaftsgebiet praktisch hinter dem Schulhaus Bürgli, im Norden begann das Grün an der alten Winterthurerstrasse und im Westen kann man ab der alten Kaserne Landwirtschaft und Baumkulturen erkennen. Kein Wunder also, wurde Wallisellen an der Landesausstellung 1939 noch als 'durchgrünte Gartensiedlung' zur Mustergemeinde bestimmt. Auch in der 1951
verfassten 3. Bauordnung war der Grüngürtel um Wallisellen noch ausgeprägt. Heute ist Wallisellen praktisch vollständig überbaut und optisch nicht mehr als autonome Gemeinde erkennbar. Ohne Hörnligraben und Hardwald wäre Wallisellen total an die umliegenden überbauten Gebiete herangewachsen. Von den 650 Ha Gemeindefläche sind heute noch 23 % landwirtschaftlich genutzt, 20 % ist Wald, 20 % ist Verkehrsfläche (!) und 33 % ist Siedlungsgebiet. 47 % der Gemeindefläche sind heute Bauzonen zugewiesen und davon wiederum sind bereits 93 % überbaut.

Wie kam es dazu? In den fünfziger und sechziger Jahren waren gemäss 3. Bauordnung noch keine Überbauungen und maximal 3 geschossige Gebäude möglich. So entstanden während dieser Zeit nur wenige neue Bauten, so zum Beispiel die Überbauung Schwanen, die an der Gemeindeversammlung einstimmig angenommen wurde. Erst mit der 1967 erlassenen neuen Bauordnung mit zugehörigem Zonenplan wurde der Bauwut Tür und Tor geöffnet. Riesige Gebiete wie das Richti-Areal, das Gebiet des heutigen Glattzentrums, das Gebiet Langacker und der Schäfligraben wurden zu Bauzonen. Sukzessive wurde das ehemalige Landwirtschaftsgebiet auch überbaut. Die Bevölkerung erreicht in dieser Zeit die 10 000-er Marke. 1982 wurde erstmals aufgrund kantonaler Vorgaben ein kommunaler Gesamtplan erstellt der 1983 in einer neuen Bauordnung mit Zonenplan mündete. Um die darin enthaltenen neue Leitidee einer 'halbstädtischen Baudichte' zu verwirklichen, wurden die Dichten anhand von neuen tieferen Ausnützungsziffern reduziert. So entstand zum Beispiel die Siedlung 'Stadtland' südlich vom Sportzentrum aber auch die weniger gelungene Überbauung Schorenpark. Die nächste noch heute gültige Bau- und Zonenordnung wurde 1993 erlassen. Ende der 80-er Jahre erlangte das Thema Umwelt unter Anderem aufgrund von Problemen mit der Trinkwasserqualität und wegen dem Waldsterben hohe Priorität. Auf kantonaler Ebene wurde erkannt, dass der haushälterische Umgang mit dem Boden sehr wichtig ist und die Gemeinden erhielten neue Vorgaben bezüglich minimaler Ausnützungsziffern, die nicht unterschritten werden durften. Die bessere Nutzung des vorhandenen Baulandes war deshalb auch der Kern der Bauordnung von 1993. Der Erhalt des halbstädtischen Charakters wurde damit jedoch weitgehend aufgegeben, konnte doch in den
bestehenden Wohnzonen bis zu 40 % verdichtet gebaut werden. In der Folge entstanden grosse Überbauungen wie Langacker, Melchrüti und Spitzacker.

Schützen was noch da ist
Heute sind die bestehenden Bauzonen weitgehend überbaut, es existieren nur noch Verdichtungsmöglichkeiten, bei welchen dann historische Gebäude und die letzten grünen Flecken weichen müssen. Auch bei solchen Projekten und speziell auch beim Erstellen von Gestaltungsplänen könnten aber die Bedürfnisse von Natur, Umwelt und Mensch besser berücksichtigt werden. Achten wir darauf, dass es auch getan wird. Zudem ist eine weitere Revision der Walliseller Bau- und Zonenordnung bereits in Arbeit. Achten wir auch da, dass die letzte ansehnliche Kernzone Rieden und die wenigen der Erholung dienenden Gebiete der Bevölkerung erhalten bleiben.